Unsere Reisen mit "Robil"
Unsere Reisen mit "Robil"

Im Frühjahr 2010 nach Albanien

Letztes Jahr hatte ich meinen neuen Freunden in Albanien versprochen, sie dieses Jahr zu besuchen. Dieses Versprechen haben wir mit einer Rundreise um die Adria verbunden.

Da sicherlich viele an einer Tourbeschreibung durch Albanien interessiert sind, berichte ich nur über die Zeit, die wir in diesem Land verbrachten.

Die Anreise erfolgte über Tschechien, Österreich, Slowenien, Kroatien und Montenegro. Die Rückreise realisierten wir über Italien, Österreich und Tschechien.

Ein paar allgemeine Hinweise zu Albanien

Neben der Landessprache kommen Englisch, Italienisch und z.T. auch Deutsch zur Anwendung. Im Grenzgebiet zu Griechenland wird auch griechisch gesprochen.

Die Landeswährung heißt LEKE, gesprochen Lek. Für einen Euro bekommt man ca. 135 LEKE. Geldbeschaffung ist mittels der zahlreich vorhandenen Geldautomaten kein Problem. 

Besondere Beachtung gilt den Straßenverhältnissen. Für unsere Begriffe erscheint der Verkehr recht chaotisch. Trotzdem ist eine gewisse Systematik und Rücksichtnahme erkennbar. Die Hauptrouten sind größtenteils gut befahrbar. Besondere Vorsicht ist in Ortschaften, an Brücken und auf Nebenstraßen geboten. Aufhöckerungen (schlafende Polizisten), Fahrbahnschäden, Straßenab- und einbrüche u.ä. sind meistens nicht oder nur mit herumgelegten Steinen o.ä. gekennzeichnet. Hier ist erhöhte Aufmerksamkeit geboten.

In den Bergregionen kommt man nur recht langsam voran, da die Straßen sehr kurvenreich und auch steil sind. Das Befahren mit Wohnwagengespannen erachte ich hier als nicht empfehlenswert, da bei langen Abfahrten die Auflaufbremsen sehr heiß werden können.

Das Verkehrsrecht orientiert sich am europäischen. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt in Ortschaften 40 km/h, außerhalb 70 km/h und auf Schnellstraßen 80 km/h.  Gelegentlich wird auch eine höhere Geschwindigkeit erlaubt. Die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit liegt auf Grund der Bedingungen deutlich unter denen, die wir gewohnt sind. Streckenweise werden kaum 30 Kilometer pro Stunde erreicht.

Auf den Hauptrouten ist die Polizei mit Radarpistolen recht oft im Einsatz. Beim Kreisverkehr gibt es unterschiedliche Regelungen. Meistens hat der Einfahrende die Vorfahrt. Es gibt aber auch Kreisel, die unserer Vorschrift entsprechen. Fußgänger, Radfahrer und Mopeds haben scheinbar eigene, ungeschriebene Regeln. Es besteht Lichtpflicht am Tage und Gurtpflicht. Tankstellen gibt es reichlich, auch in den Dörfern. Diesel kostet z.Z. rund einen Euro, Autogas (LPG) etwa 0,50 Euro. Kartenzahlung ist an Tankstellen oftmals nicht möglich.

Da in Albanien das Navi nur auf wenigen Hauptrouten funktioniert, nenne ich Koordinaten nur dort, wo das Navi genutzt werden kann. Die Orientierung abseits der Hauptstraßen stellt sich z.Z. noch als echtes Problem dar. Es gibt fast keine Wegweiser und Ortsschilder. Wirklich gutes Kartenmaterial ist kaum zu bekommen und hilft letztlich auch nicht wirklich weiter. Hilfreich dagegen empfand ich das Reisehandbuch von Volker Grundmann und seine angebotenen GPS-Daten, die mit einem GPS-Handgerät (z.B. von Garmin) die Orientierung erleichtern. Als Kartenmaterial verwendete ich “Albanien” vom Verlag freytag & bernd im Maßstab 1:400 000 und “Albanien vom Verlag Reise-Know-How im Maßstab 1:220 000.

Campingplätze gibt es  bisher nur ganz vereinzelt, die zudem recht einfach ausgestattet sind. Offizielle Stellplätze dagegen gibt keine. Das stellt aber kein Problem dar, da an vielen Stellen die Möglichkeit zum Abstellen bzw. Übernachten gegeben ist.

Noch ein Wort zu den Preisen. Dienstleistungen, Obst und Gemüse, Getränke, Backwaren, Gaststättenbesuche, öffentlicher Nahverkehr, Eintrittspreise, alles ist deutlich billiger als bei uns. So haben wir z.B. für ein Abendessen mit drei Personen in einem Restaurant in Tirana gerade mal 15 Euro bezahlt, inkl. Getränke!

Unsere Rundreise

Von Montenegro aus benutzten wir den Grenzübergang Sukobin/Muriqan und erreichten somit das Hauptziel unserer Reise, Albanien. Wir fuhren noch bis Shkodër, gesprochen Schkodra, der drittgrößten Stadt Albaniens, machten einen Stadtbummel und fanden dann am Stadtrand einen geeigneten Übernachtungsplatz.

 

Tageskilometer: 96, Übernachtungskosten: keine

 

Am nächsten Tag besuchten wir die Mesi-Brücke, eine Bogenbrücke aus dem 18.Jhd. Sie ist ein Beispiel für die weitentwickelte Brückenbaukunst der Skipetaren. Anschließend fuhren wir zur Ruine der Festung Drisht, die in 800 Meter Höhe über dem gleichnamigen Dorf thront.

 

Der CP Camping Albania in Barbullush war unser nächstes Ziel. Hier blieben wir zwei Tage. Der CP wird von einem holländischen Ehepaar geführt und liegt etwa 16 km von Shkodër entfernt rechts der Hauptstraße nach Tirana.

 

Tageskilometer: 95, Übernachtung: 12 € inkl. Strom

 

Nach dem Ruhetag fuhren wir weiter in Richtung Tirana. In Lezhë besichtigten wir die Grabstätte des albanischen Nationalhelden Gjergj Kastrioti Skanderbeg.

Dann kamen wir nach Krujë, besuchten hier den mittelalterlichen Basar sowie das daneben befindliche Skanderbeg-Museum. In der zweitgrößten Stadt Albanien, in Durrës, übernachteten wir hinter dem Fährhafen unmittelbar an der Küste.

 

Tageskilometer: 163

 

Der nächste Tag brachte uns neben Sonnenschein und 22 Grad nach Apolonia, der zweitgrößten Ausgrabungsstätte Albaniens. Die Stadt Apolonia wurde 588 v. Chr. von griechischen Kolonisten gegründet und entwickelte sich zu einer bedeutenden Hafenstadt. Nach einem Erdbeben im 3. Jhd. begann der Verfall der Stadt. Seit 1923 finden hier Ausgrabungen statt.

 

Tageskilometer: 109

 

In Apolonia erwarteten wir unseren Freund Marin, der Direktor des archäologischen Parkes ist. Mit ihm verbrachten wir die nächsten zwei Tage und erledigten ein paar Einkäufe in der Stadt Fier.

 

Tageskilometer: 30

 

Dann ging es weiter südwärts, zunächst bis Vlorë. Die Straße von Fier bis Vlorë ist noch nicht saniert. Entsprechend langsam ging es voran. In Vlorë unternahmen wir einen Stadtbummel,bevor wir uns an die Überquerung des Llagora-Passes (1027m) wagten. Ab Vlorë ist die Straße in gutem Zustand bzw. teilweise saniert. Kurz vor Himarë, in dem Dorf Jale, fanden wir in einer kleinen Bucht mit Sandstrand einen günstigen Übernachtungsplatz.

 

Tageskilometer: 119

 

Am nächsten Tag fuhren wir auf guter Straße zunächst bis Sarandë, besuchten hier das Zentrum der Stadt und legten dann die restlichen 24 km bis zum archäologischen Park Butrinti zurück. Für diese 24 km benötigten wir ca. 75 Minuten, da es eine einzige Straßenbaustelle mit allen Schikanen, sprich ohne festen Belag, dafür mit Baufahrzeugen und Baumaschinen war.

Da es schon ziemlich spät war, übernachteten wir auf dem großen Parkplatz vor dem Park.

 

Tageskilometer: 86

 

Wir verließen nun die Adriaküste und fuhren auf der E853, einer Straße in mäßiger Qualität, in östliche Richtung.

Ein Stück nach dem Ort Mesopotami liegt links neben der Straße, ca. zwei Kilometer entfernt, Syri i Kalter (Blaues Auge). Eine gewaltige Quelle speist mit bis zu 8 m³/sec. einen Fluß. Ein Naturschauspiel ähnlich des Blautopfes in der Schwäbischen Alb.

Einige Kilometer weiter stießen wir auf die Straße, die von Fier kommend nach Griechenland führt. Auf dieser gut ausgebauten Straße fuhren wir in nördlicher Richtung bis Tepelene, wo wir am Fluß Drino einen ruhigen Platz zum Übernachten fanden.

 

Tageskilometer: 99

 

Tepelene bietet als Besuchsobjekt lediglich die Reste einer alten Festung und eine alte Hängebrücke über den Fluß Vjosë. Kurz vor Tepelene zweigt nach rechts die Straße nach Korcë ab, unser nächstes Ziel. Wir kamen auf Grund des schlechten Straßenzustandes und der zahlreichen Kurven nur langsam voran.

Die Straße führte über einen 1120 Meter hohen Pass. Etwa 10 km nach Leskovik liegt in einer Kurve die Farm Sotira, bei der sich ein kleines Camping befindet. Hier übernachteten wir kostenlos, da offiziell noch geschlossen war.

 

Tageskilometer: 111, Koordinaten: N 40.21440° E 20.64646°

Weiter ging unsere Tour in Richtung Korcë. Die Straße war noch immer relativ schlecht, dazu kurvenreich und erneut ging es in Höhen von über 1000 Meter. Kurz vor Korcë bogen wir links ab zu dem kleinem Bergdorf Voskopojë (1200m hoch) und besichtigten hier zwei alte Kirchen von 1724 mit aufwändigen Malereien. Wir übernachteten auch gleich hier.

 

Tageskilometer: 111


Als nächstes besuchten wir den Basar von Korcë, der der umfassendste Heimwerker-, Neu- und Gebrauchttrödelmarkt Albaniens ist. Ein Muß für jeden Touristen. In der Nähe befindet sich auch die Orthodoxe Kathedrale, die wohl größte ihrer Art im Lande. Ein Hotelneubau in 1250 Meter Höhe sowie das Kriegerdenkmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege standen ebenfalls auf unserem Besuchsprogramm.

 

Anschließend fuhren wir auf sanierter Fahrbahn weiter Richtung Tirana und übernachteten zweimal auf dem Campingplatz in Hudenisht (etwa 8 km nach Pogradec) am Ohridsee.


Tageskilometer: 72, Übernachtungskosten: 10 €/Nacht inkl. Strom

Koordinaten: N 40.96668° E 20.64290°

Entlang der Küste des Ohridsee ging es weiter, immer Richtung Tirana. Fischliebhaber finden am See eine Vielzahl von Fischverkäufern, die ihre Ware feilbieten. Der Zustand der Straße im weiteren Streckenverlauf kann als zufriedenstellend bezeichnet werden. In Elbasan, der letzten größeren Stadt vor Tirana, bestaunten wir die noch vorhandenen Teile der alten Festung und bummelten durch den Zentrumspark.

Anschließend ging es wieder kilometerweit bis auf gut 800 m Höhe, bevor der Abstieg nach Tirana begann. Nahe der Hauptstadt Albaniens fanden wir in einem kleinen Bergdorf einen Platz zum Übernachten.


Tageskilometer: 117

Nun ging es hinein in die mit fast 2 Millionen Einwohner größte Stadt Albaniens. In den letzten Jahren gab es in Tirana tiefgreifende Veränderungen. Die Einwohnerzahl wuchs rapide, ein Großteil der Hauptstraßen wurde saniert und moderne Gebäude errichtet. Der Skanderbeg-Platz, das Zentrum der Stadt, wird gegenwärtig total umgebaut und erhält eine Fußgängerzone. Kurz, Tirana entwickelt sich hin zum Positiven.

Wir besuchten unsere Freunde und verbrachten mit ihnen die nächsten fünf Tage, die ausgefüllt waren mit Besichtigungen, Einkaufen, Gaststättenbesuchen und einer Fahrt auf den Dajti (1611 m), den Hausberg Tiranas.

 

Tageskilometer: 74

Am letzten Tag in Albanien fuhren wir nach Durrës, wo wir auf die Fähre gingen, die uns in rund acht Stunden nach Bari/Italien brachte.

 

Tageskilometer: 53, Fährkosten: 156,34 € für zwei Personen und Wohnmobil

 

Nach 21 Tagen und 1.335 km beendeten wir unsere Albanienrundfahrt mit dem guten Gefühl, nicht das letzte Mal hier gewesen zu sein.

 

Unser Resümee für diese Tour: Albanien ist eine Reise wert. Sicherheitsbedenken braucht man keine zu hegen. Unsere Freunde in Tirana haben uns das bestätigt. Wer ein Land im Aufbruch erleben möchte, sollte unbedingt mal dahin reisen.

 

Die gesamte Adria-Rundreise umfasste 5.703 km und dauerte exakt sieben Wochen.

nach oben

Das ist "Robil", unser kleines, aber feines Wohnmobil

Das ist mein Besucherzähler

seit dem 20.02.2014

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Copyright by Dieter Rose